Newsletter vom 05.01.2026

5. Januar 2026

Liebe Freundinnen und Freunde des Waldparks,


nach wie vor gibt es keinen Anlass zu großer Zuversicht: In Rheinstetten präsentierte das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe unlängst ein weiteres Mal nicht die seit langem geforderte Spundwandlösung, sondern eine neue, fragwürdige Variante.


Unsere weiteren Themen heute:


  • die umfangreichen Baumfällungen im Waldpark,
  • die für 2026 geplanten Waldaktionen der Forstbehörde Mannheim,
  • die Teilnahme unserer Initiative am Neujahrsempfang der Stadt.


Quelle: Regierungspräsidium Karlsruhe, Präsentation „Rückhalteraum Bellenkopf/Rappenwört – Ergänzungsverfahren -RHWD XXV: Vorstellung der Antragsvariante“ im Gemeinderat Rheinstetten am 25.11.2025


Fragwürdige Vorzugsvariante in Rheinstetten

Wer weiß, was sich die Planer des RP zur Sanierung unseres Damms noch einfallen lassen: In Rheinstetten bei Karlsruhe tischte der zuständige RP-Projektleiter dem Gemeinderat jetzt eine ganz andere Variante auf als die, für die sich die Bürgerinnen und Bürger seit Jahren einsetzen (siehe Präsentation des RP vom 25.11.2025).


Zur Erinnerung: Auch in Rheinstetten plädieren Stadt und Bürgerinitiative (in Verbindung mit dem geplanten Bau eines Polders) für statisch wirksame Spundwände als Alternative zu den vom RP – bzw. vom Land Baden-Württemberg (BW) – vorgesehenen Erddämmen. Sie klagten in einzelnen Punkten erfolgreich gegen das Land (wir berichteten). Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) BW erklärte den Planfeststellungsbeschluss2023 für teilweise rechtswidrig. Unter anderem beanstandete er Mängel in der Untersuchung der Sanierungsalternativen. Das RP forderte er dazu auf „zu prüfen, ob es artenschutzfreundlichere und weniger flächenintensive bauliche Varianten zur Sanierung des Trenndamms XXV gibt“.


Sieben Varianten prüfte das RP daraufhin. Jetzt legte es eine neue „Vorzugsvariante“ vor.  Im Vergleich zu der im Jahr 2021 planfestgestellten Variante ist diese zwar weniger flächenintensiv und damit wohl auch artenschutzfreundlicher. Aber sehr wahrscheinlich verbraucht sie mehr Fläche und vernichtet mehr Natur als eine statisch wirksame Spundwand. Denn die nun ins Spiel gebrachte „optimierte Kombinationsweise“ sieht – außer einer Spundwand mit statischer Funktion – zusätzlich Bermen sowie Durchwurzelungsperren  in den wasser- und landseitigen Böschungen vor.


Diese ergänzenden Vorkehrungen sind jedoch gar nicht notwendig: Eine selbsttragende Spundwand aus Stahl ist standsicher. (Oder wie Jens Teege, RP-Projektleiter für den Mannheimer Rheindamm, es im Umweltforum formulierte: „Die Spundwand bleibt auch stehen, wenn keine Erde mehr da ist.“) Sie erfordert folglich keine stabilisierenden Absätze in den Böschungen. Außerdem ist sie undurchlässig für Wurzeln.


Weiterhin droht eine unnötige Vernichtung von Wald und Lebensraum

Vor allem aber würden durch diese zusätzlichen baulichen Maßnahmen vermutlich wiederum unnötig Wald und damit auch Lebensraum für Tiere vernichtet werden. Gleichwohl behauptet das RP, die Eingriffe seien bei der neuen Vorzugsvariante „überall am geringsten“, wie die Badischen Neuesten Nachrichten (BNN) berichten.


Dieses Vorgehen ist einfach unfassbar. Soweit wir dies beurteilen können, missachten die Planer erneut Vorschriften des Natur- und Artenschutzrechts. Verantwortlich dafür ist das Umweltministerium (UM) BW unter der Leitung von Thekla Walker, das die Rahmenbedingungen für den Hochwasserschutz im Land vorgibt. Doch bei ihr ist offensichtlich bis heute nicht angekommen, wie sich dieser zeitgemäß und naturverträglich ohne unnötige massive Baumfällungen gestalten lässt. 


Um Eichen zu erhalten, die viel Licht brauchen, wurden im November im Waldpark etliche Bäume, wie Buchen oder Ahorne, gefällt.


Erhebliche Abholzungen im Waldpark

Abholzungen in größerem Umfang ließ die Stadt Mannheim im November im Waldpark durchführen. Wie sie in einer Pressemitteilung betonte, stand die Maßnahme in keinem Zusammenhang mit der Rheindammsanierung. Das war uns klar. Dennoch hätten wir uns eine Kommunikation vonseiten der Forstbehörde bereits im Vorfeld der Fällungen gewünscht.


Nachdem sich einige Besucherinnen und Besucher des Waldparks besorgt an uns gewandt hatten, fragten wir bei Dina Scheffer, Leiterin der Forstbehörde Mannheim, nach: Einzelne Bäume, wie Buchen oder Ahorne, seien entnommen worden, um Eichen zu erhalten, teilte sie uns mit. Im Klimawandel sei die Eiche eine der Zukunftsbaumarten.


Ist die stärkere Auflichtung des Walds angesichts der Folgen des Klimawandels jedoch wirklich förderlich? Und macht dies die Eichen künftig nicht anfälliger für Hitze und andere Schäden, auch wenn sich diese Baumart bisher als relativ hitze- und dürreresistent erwiesen hat? Auf diese Fragen ging Dina Scheffer nicht direkt ein. Ihr zufolge wurden nur die Bäume abgeholzt, die den Eichen Licht wegnehmen, da diese viel Licht brauchen. In den kommenden Jahren werde es daher ähnliche Eingriffe im Waldpark geben.


Das Problem hierbei ist: Fragt man dazu zehn Waldexperten, bekommt man zehn Meinungen – wohl mangels fehlender Erfahrungen mit den klimabedingten Auswirkungen. Wir werden solche Baumfällungen jedenfalls weiterhin kritisch begleiten. Und hoffen auf einen weiterhin konstruktiven Austausch mit der Mannheimer Forstbehörde.



Aktionen in den Mannheimer Stadtwäldern

Was uns freut: Die Forstbehörde veranstaltet am Samstag, 17.01.2026, 10 bis 13 Uhr, wieder einen Waldputztag im Waldpark. Zudem finden im Dossenwald und im Käfertaler Wald 2026 Müllsammelaktionen statt.


Die Cleanups lohnen sich: 2025 sammelten die rund 40 Teilnehmenden im Waldpark in nur zwei Stunden mehr als 250 Kilogramm Müll – mehr dazu unter Unser Waldpark – Keine Müllhalde! Daher machen wir auch dieses Mal mit. Wir freuen uns, wenn einige von Ihnen ebenfalls wieder dabei sind.


Neu ist die Veranstaltung „Gemeinsam für den Wald“, die im Waldpark für Freitag, 25.09.2026, 16 bis 18 Uhr, geplant ist. Laut Forstbehörde ist es Ziel, den Wald im Klimawandel zu unterstützen und das Ökosystem zu stärken. Hierfür sollen unter anderem Bäume und Biotope gepflegt sowie neue Saaten gelegt werden.


Alle Termine  finden Sie auf unserer Internetseite. Anmeldungen  unter forstbehoerde@mannheim.de sind jeweils bis drei Tage vor Veranstaltungsbeginn möglich.


Gemeinschaftsstand des Umweltforums Mannheim und einiger Mitgliedsverbände beim Frühlingsempfang der Stadt Mannheim am 22.05.2022


Kommen Sie gern zu unserem Infostand beim Neujahrsempfang der Stadt!

Darüber hinaus freuen wir uns, wenn Sie uns am Dienstag, 6. Januar, an unserem Stand beim Neujahrsempfang der Stadt Mannheim im Congress Center Rosengarten besuchen. Sie finden uns auf Ebene 2 im Alice Bensheimer Saal. Gemeinsam mit dem Umweltforum Mannheim und weiteren Mitgliedsverbänden informiert unsere Initiative von 10 bis 14 Uhr dort über die Rheindammsanierung.


Was wir heute noch loswerden möchten

All denen, die uns bei unserem Einsatz für die Bäume auf dem Rheindamm sowie im restlichen Waldpark – teils seit vielen Jahren – tatkräftig, finanziell und mental unterstützen, danken wir von Herzen.


Besonders bedanken wir uns für jede kleine und größere Zuwendung im vergangenen Jahr, in dem das Thema Rheindamm kaum im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand. Wir freuen uns sehr darüber, denn auch ohne größere Aktionen haben wir laufende Kosten für Flyer, unsere Website und das Newsletter-Programm zu begleichen.

Und wir sagen Danke für jedes freundliche, ermutigende, anerkennende Feedback. Das hilft uns und bestärkt uns, weiter zu kämpfen.


Seien Sie sich bewusst, dass wir wohl noch sehr lange dranbleiben müssen. In Rheinstetten wurde die erste Polder-Planung laut BNN 1996 vorgelegt, also vor 30 Jahren!


Da beim UM BW offensichtlich keine Einsicht einkehrt, jegliche Schreiben und Appelle ignoriert oder mit nicht stichhaltigen Argumenten abgeschmettert werden, bleibt zu hoffen, dass eine neue Landesregierung einen sinnvollen Hochwasserschutz durchsetzt. Wir werden unsere Forderungen angesichts der Landtagswahl in BW am 8. März 2026 deutlich kommunizieren.



Herzliche Grüße


Sabine Jinschek   Michael Detmer

Initiative Waldpark Mannheim e.V.

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