Newsletter vom 16.07.2026

Liebe Freundinnen und Freunde des Waldparks,
die wasserseitige Baumreihe der wunderbaren Baumallee auf dem Damm hinter der Schwarzwaldstraße soll vollständig abgeholzt werden. Außerdem soll etwa ein Drittel der Bergahornreihe auf dem Damm im Bereich der Kleingärten weichen. Das ist Teil des aktuellen Planungsstands, den das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe am 14. Juli im Mannheimer Umweltforum präsentierte.
Auch aus Stuttgart kommen keine besseren Signale: Die neue Landesregierung räumt Hochwasserschutz Vorrang vor anderen Schutzgütern ein. Wir haben uns dazu in einem offenen Brief an Ministerpräsident Cem Özdemir gewandt.

Jens Teege, Projektleiter im RP Karlsruhe, stellt im Mannheimer Umweltforum den aktuellen Planungsstand der Rheindammsanierung vor. Links im Bild: RP-Referatsleiter Peter Schneider (Bild: Umweltforum). Die Abbildung des Bohrgeräts in der gezeigten Grafik stammt von www.ischebeck.de.
Spundwandlösung technisch machbar
„Die Variante einer statisch selbsttragenden Spundwand funktioniert“, lautete die Kernbotschaft von RP-Projektleiter Jens Teege und Referatsleiter Peter Schneider im Umweltforum. Die Lösung sei überströmungssicher. Der Grundwasserstrom werde dadurch nicht beeinträchtigt.
Bis zu 19 Meter tief soll die Spundwand in den Damm eingebracht werden. Daher ist es erforderlich, sie mit meterlangen Stahlstäben zu verankern. Diese würden ähnlich einem Dübel etwa alle vier Meter diagonal in die Dammböschung zum Rhein hin gebohrt werden. Bei der Position der Anker sei man flexibel, so Teege. Eventuell müsse man diese aber durch einen Baum oder eine Wurzel setzen.
Mehr Tiefe, mehr Stahl, mehr Bauaufwand
Der Rheindamm in Mannheim ist rund 4 Meter hoch. Warum braucht es eine rund 20 Meter tiefe Spundwand? Zumal der Untergrund nicht weich, sondern im Gegenteil sehr fest ist, wie Schneider betonte. Je tiefer eine Spundwand eingebracht wird, desto höher ist der Stahlverbrauch, der Aufwand für den Einbau sowie der Eingriff in den Baugrund und die Natur. Wir werden dies recherchieren.

Etwa ein Drittel der Bergahornreihe auf dem Damm im Bereich der Kleingärten soll weichen, obwohl man diese weitgehend erhalten könnte.
Kostensparen zu Lasten der Bergahornreihe
Mehr Tiefe bedeutet zugleich mehr Höhe. So erfordert die Einbringung einer rund 20 Meter tiefen Spundwand einen freien Luftraum von mindestens 20 Metern Höhe. Gerade im nördlichen Dammabschnitt bei den Kleingärten wird dies zum Problem, da über der Landseite des Damms eine Hochspannungsleitung verläuft. Statt die Spundwand landseitig zu platzieren, was das RP zum Erhalt der dort gewachsenen Bergahornbäume zuletzt vorgesehen hatte, werde diese nun wasserseitig eingebracht. Die Folge: Ein Teil der Baumreihe muss entfernt werden.
Das Problem ließe sich zum Beispiel mit einer temporären Stilllegung oder Verlegung der Leitung lösen. Damit seien jedoch sehr hohe Kosten verbunden, so Teege. Für uns ist das kein stichhaltiges Argument: Die alten Bergahornbäume wären als CO2-Speicher, Schattenspender und Sauerstoffproduzenten unwiederbringlich verloren.

Die komplette rechte Baumreihe der Baumallee auf dem Damm hinter der Schwarzwaldstraße soll vollständig abgeholzt werden. Durch eine mittig platzierte Spundwand wäre dies vermeidbar.
Einerseits erhebliche Abholzungen, andererseits sorgfältiger Baumschutz
Rund 700 Bäume hat Jillich insgesamt in den Dammabschnitten 4 und 5 (also hinter den Kleingärten und der Schwarzwaldstraße) erfasst, kartiert und bewertet. Baumschutz liegt ihm offensichtlich am Herzen. „Eine solche Baumaßnahme ist eine wahnsinnige Beeinträchtigung der Bäume“, so der Baumsachverständige. Notwendige Eingriffe würden fachmännisch durchgeführt werden, versicherte er. Der Wurzel- und der Kronenbereich werde aufwendig geschützt. Darüber hinaus gebe es eine ökologische Baubegleitung.
Positiv zu vermerken ist zudem, dass auch vital schwache, zugleich erhaltungsfähige Bäume erhalten werden sollen. Dies betonte auch Teege: Die Anregung des NABU Mannheim im letzten Austausch, Bäume im Baubereich stehenzulassen und einfach abzuwarten, ob sie die Dammsanierung überleben, habe er aufgegriffen. Warum der RP-Projektleiter dann andererseits daran festhält, auf einer Länge von 650 Metern eine komplette Baumreihe zu opfern, erschließt sich uns nicht.
Baumschutz ist Hitzeschutz ist Klimaschutz
Bäume sind natürliche Klimaanlagen. Gerade in Mannheim muss jeder überlebensfähige Baum erhalten werden. Unsere Stadt ist laut Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe bundesweit am stärksten von Hitze belastet. Und die Temperaturen werden in den kommenden Jahren dramatisch ansteigen; es wird immer mehr Hitzeopfer und Hitzetote geben. So wies die Geschäftsführerin des Umweltforums Elke Dünnhoff darauf hin, dass Hitze- und Klimaschutz zunehmend in den Bereich des Katastrophenschutzes rückt. Dies möge man bedenken, wenn der Erhalt von Bäumen abgewogen wird.
Offener Brief an Cem Özdemir
Die Rekordtemperatur in Mannheim am 27. Juni von 41,8 Grad haben wir zum Anlass genommen, uns in einem offenen Brief an Cem Özdemir zu wenden. Darin bitten wir den Ministerpräsidenten, für einen sicheren, naturverträglichen und klimafreundlichen Hochwasserschutz im Land zu sorgen. Denn der Koalitionsvertrag der baden-württembergischen Landesregierung sieht anderes vor (siehe Seite 59).
Hochwasserschutz darf angesichts der verheerenden Folgen des Klimawandels einfach nicht mehr gegen den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen ausgespielt werden. So appellieren wir zusätzlich in einem Video an Özdemir (das auf YouTube und Instagram insgesamt bereits mehr als 4.000 Mal aufgerufen wurde): „Hochwasserschutz und Klimaschutz sind so wichtig. Machen Sie das Thema zur Chefsache!“ Bislang haben wir noch keine Antwort erhalten.
Der offenen Brief unserer Initiative vom 27. Juni finden Sie hier.
Die Pressemitteilung des RP vom 15. Juli ist auf der Projektseite der Landesbehörde abrufbar.
Herzliche Grüße
Sabine Jinschek Michael Detmer
Initiative Waldpark Mannheim e.V.










